Abschiedsgedanken des scheidenden Generalvikars Alois AlbrechtWofür ich danke
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| Prälat Alois Albrecht, Generalvikar des Erzbistums Bamberg.von 1990 bis 2006 |
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Ein Abschied gibt zunächst die Gelegenheit zu danken: So möchte ich zuerst einmal Dank sagen.- Für das Wohlwollen dreier Erzbischöfe: Dr. Elmar Maria Kredel, der mich ein erstes Mal zum Generalvikar berief 1990; Dr. Karl Braun, unter dessen Leitung das Bamberger Pastoralgespräch stattfand; Dr. Ludwig Schick, unter dessen Leitung der Pastoralplan 2004/5 erarbeitet wurde und die Konsolidierungsmaßnahmen unseres Haushalts eingeleitet wurden.
- Für die gute Zusammenarbeit mit den verschiedenen Behörden, seien es die Städte Bamberg, Bayreuth und Nürnberg, deren Oberbürgermeister und Behörden, seien es die Landkreise und deren Landräte, vor allem der katholisch geprägten Teile unseres Bistums, seien es die Regierungen von Oberfranken und Mittelfranken und deren Regierungspräsidenten und Bezirkstagspräsidenten.
- Für die lebhaften Verbindungen, Gespräche und den Gedankenaustausch, der sich mit den Vertretern des Europäischen Parlaments, des Bundestages, des Landtages und mit Mitgliedern des Bamberger Stadtrates ergab.
- Für die fruchtbaren Kontakte mit den verschiedenen staatlichen Behörden, die in Bamberg angesiedelt sind, die Justiz, das Landesamt für Denkmalspflege, das Staatliche Hochbauamt, das Finanzamt, Staatsarchiv, Staatsbibliothek, Historisches Museum, Städt. Archiv, die Polizei, das Internationale Künstlerhause etc.
- Für das ökumenische Miteinander, das uns verbunden hat mit den Kirchenkreisen in Bayreuth und Nürnberg und deren Regionalbischöfen, mit dem ev.-luth.Dekanat Bamberg und dessen Dekanen.
- Für die herzlichen Kontakte, die sich mit Bischöfen und Priestern aus aller Welt, aus Lateinamerika, aus Indien, aus Asien, aus Afrika, aus Polen und Kroatien ergeben haben.
- Für die brüderliche Gemeinschaft in den Konferenzen der deutschen und bayerischen Generalvikare.
- Für die gute Verständigung mit den Provinzialen der Ordensgemeinschaften, aus denen unsere inländischen und ausländischen Ordenspriester kommen.
- Für das unermüdliche Mitwirken unserer Priester, besonders auch der ausländischen Mitbrüder, beim Aufbau des Reiches Gottes im Erzbistum Bamberg in Einheit mit dem Bischof und in Verbundenheit mit der Weltkirche.
- Für den engagierten Einsatz der Diakone und hauptamtlichen pastoralen Mitarbeiter/innen in den Pfarreien und in der Sonder- und Kategorialseelsorge.
- Für das unübersehbare Zeugnis von Kirche, um das sich die haupt- und ehrenamtlichen Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen der Caritas bemühen.
- Für den unschätzbaren Dienst so vieler Ehrenamtlicher, Frauen und Männer (nach einer Umfrage 2003 sind es ca. 20.000), in Pfarreien, kirchlichen Gremien und Verbänden, in der Jugendarbeit, in Familien- und Seniorenarbeit, bei caritativen Aufgaben, in der Sakramentenkatechese, als Organisten, Wortgottesdienstleiter, Kommuionhelfer, Lektoren, Kantoren etc.
- Für das engagierte Mittun so Vieler bei der Vorbereitung und der Durchführung des Bamberger Pastoralgespräches von 1997 – 2000, bis hin zum 9.Oktober 2004 und zur Verabschiedung des Pastoralplanes am 9. Januar 2005.
- Für das wachsende Zusammenwirken der 6 Regionaldekane und 21 Dekane in unserem Erzbistum, das besonders in der Dekankonferenz sichtbar wurde und jetzt seinen Höhepunkt hat bei der Errichtung der Seelsorgebereiche über die ganze Erzdiözese hin, die aus 367 Pfarreien 96 Seelsorgebereiche schafft..
- Für die Arbeit der Ordinariatskonferenz, bestehend aus den Domkapitularen, den Regionaldekanen, der Ordinariatsrätin und der Ordinariatsräte, die zusammen mit dem Erzbischof das Gelingen der Pastoral im Erzbistum berät.
- Für die Begleitung der Beraterfirma BSL bei der Erreichung eines ausgeglichenen Haushalts des Erzbistums Bamberg. Alleine wären wir sicher nicht so weit gekommen wie wir es jetzt beim Haushalt 2006 sind.
- Für den Dienst der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Ordinariat, angefangen von meinen Sekretärinnen, meinen Stellvertretern und meinem Referenten über die Mitarbeiter in den Stabsstellen und in den übrigen Hauptabteilunge bis hin zu den Reinigungsfrauen, deren Dienstleistung darin besteht, die Voraussetzungen für die Pastoral in der Fläche des Erzbistums zu schaffen.
Worauf ich stolz bin: - Auf das Vertrauen vieler Priester und Diakone, die zu mir gekommen sind und mit denen ich Stunden des Gespräches verbracht habe.
- Auf den gelungenen Einsatz von Priestern und Diakonen zu deren Zufriedenheit und zur Zufriedenheit der Gemeinden (85%).
- Auf Gebete, die in ganz Deutschland gebetet werden.
- Auf Lieder und Texte, die in ganz Deutschland verbreitet und gesungen werden.
- Auf die Mitwirkung bei den Katholikentagen in Freiburg 1978 und Düsseldorf 1982.
- Auf die Altäre in St. Gangolf, St. Martin., Heilig Grab
- Auf den Caritasverband Bamberg Stadt, den ich als Dekan mitgründen half.
- Auf die Feier von Fronleichnam und des Heinrichsfestes in Bamberg, das ich maßgeblich gestaltete.
- Über die Mitwirkung beim Ottojubiläum 1989 in Bamberg und Stettin.
- Auf die Idee und die Realisation zweier biblische Feuertheater auf dem Domplatz.
- Auf die Gestaltung des Übergangs in das dritte Jahrtausend unter dem Gedanken: „Licht, das nicht verlischt; Sonne die nicht unter geht“.
- Auf das Bamberger Lektionar, Missale, Stundenbuch und die Hymnen darin, an denen ich wesentlich mitgearbeitet habe.
- Auf den Bamberger Eigenteil II des Gotteslob.
- Auf das Priesterhaus in Changancherry.
- Auf die Armenküche in Ossjiek in Kroatien, im Krieg geschaffen und heute noch laufend.
- Die Salesianische Ausbildungsstätte in Stettin.
- Orgel in Kiew.
- Qurbana in Tamil.
- Gesangbuch für die russischen Katholiken.
- Cadeca in Cochabamba; kirchliche Stiftung; Sozialstiftung Independencia.
- Die Heinrichsreliquie auf Bali, in Denpasar.
- Auf die Kontakte mit den Kirchen in der ganzen Welt und für all das, was ich über unsere Stabsstelle „Weltkirche“ Gutes tun konnte.
- Weltkirche ist für mich in allererster Linie die Kirche auf der ganzen Welt. Dort hat sich mein Sinn geweitet für größere Sorgen als wir sie haben. Dort ist man der Frage der Armut und der Unterdrückung noch einmal ganz anders ausgesetzt als hier bei uns. Dort wurde ich sensibilisiert für Not, Hunger, Aids, Menschenrechtsverletzungen aller Art.
Daher kann ich sagen, was ich dem hl. Franziskus einmal in den Mund gelegt habe: Ich höre die Schreie der Verwundeten, der Geschundenen, der Geschlagenen, und höre aus ihnen den Schrei des Gekreuzigten Herrn Jesus Christus: Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen. Ich höre die Schreie der Entwürdigten, der Entmündigten, der Entwurzelten und höre aus ihnen den Schrei des Gekreuzigten Herrn Jesus Christus: Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen. Ich höre die Schreie der Verzweifelten, der Verlassenen, der Vergewaltigten und höre aus ihnen den Schrei des Gekreuzigten Herrn Jesus Christus: Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen. Aus: Das Testament des Franz von Assisi, 1983 Was mir zugesetzt hat - Priester, die gingen; es waren zwischen 1990 und 2005 22 Mitbrüder;
- Priester, die aus der Reihe tanzten;
- Priester, mit denen die Chemie nicht stimmte und die mit mir und ich mit ihnen nichts anfangen konnte.
- Beleidigende und verletzende Briefe auf meinem morgendlichen Schreibtisch.
- Die Machtkämpfe in den Gemeinden.
- Dinge, die nicht vorangingen.
- Provinzialismus und kleinkariertes Denken.
- Warten und es tut sich nichts.
Du hängst am Kreuz, die Stunden tropfen und deine Kraft erlischt in deinem wunden Körper. Nur hoffen kannst du noch, nur schreien: Tu deine alten Wunder wieder, Herr, tu sie an mir und den meinen. Warten und es rührt sich nichts. Du ringst am Kreuz, die Tage rinnen und aller Mut erlischt in deinem müden Herzen. Nur hoffen kannst du noch, nur schreien: Tu deine alten Wunder wieder, Herr, tu sie an mir und den meinen. Warten und es regt sich nichts. Du bleibst am Kreuz, die Jahre gehen und jeder Trotz erstirbt in deiner leeren Seele. Nur hoffen kannst du noch, nur schreien: Tu deine alten Wunder wieder, Herr, tu sie an mir und den meinen. Aus: Der Tag der Mary Ward, 1985 Was ich immer gesucht habe Die Übereinstimmung, die Deckung mit mir selber und mit meiner Rolle als Priester, Pfarrer, Dekan, Generalvikar, das Ausfüllen der Rolle, die mir zugedacht war. Ich möchte singen können Ich möchte singen können wie die Klarinette von Jean Christian Michel, Lieder der Freude. Lieder. angefüllt mit mir selber, Gebete aus meinem Leben. so wollt ich singen. Ich möchte sprechen können wie die Rose, die für den Geliebten ist, Sprache des Herzens. Sprache, angefüllt mit mir selber. Sätze, die Leben bedeuten, die wollt ich sprechen. Ich möchte auferstehn wie dieser mein Bruder Jesus, dem ich folge, Liebe alles in allem. Liebe, angefüllt mit mir selber, so möcht ich auferstehn, schon heute. Alois Albrecht 1969 Was mich immer bedrängt hatIch habe das einmal so beschrieben: Ein Mensch wird zum Fall, zum Fall für das Jugendamt, zum Fall für den Psychiater, zum Fall für das Vormundschaftsgericht, zum Fall für den Strafvollzug. Er wird zum Fall, weil er fällt, oder weil er straffällig wird, oder auffällig, oder befallen von Ängsten, wie von einer Krankheit. Zum Fall geworden wird er zunächst einer zuständigen Stelle bekannt, dann zu Papier gebracht, mit einer Nummer versehen, bearbeitet, in die Wege geleitet und erledigt, sofern das möglich ist. Manche Fälle bleiben liegen, manche werden hin und her verwiesen, manche werden immer hoffnungsloser, manche werden vergessen. Ein Mensch wird zum Fall, wie kann er wieder ein Mensch werden? Aus: Festschrift 75 Jahre SKF Bamberg, 1989 Was ich mir und der Kirche wünsche Ich habe das einmal dargestellt in einem Lied: „Kirche der acht Seligkeiten“; ein Lied, an dem ich immer wieder gearbeitet habe: - Arme Kirche, Kirche der Armut, Heimat der Armen, darin die Elenden Raum haben. Selig ist sie!
- Hoffnungskirche, Kirche der Hoffnung, Brunnen der Hoffnung, daraus die Trauernden Trost trinken. Selig ist sie!
- Zärtliche Kirche, Kirche der Zartheit, Paradies der Sanftmütigen, darin Gewaltlose aufblühen. Selig ist sie!
- Lebendige Kirche, Kirche des Lebens, Anwalt des Lebens, daraus Gerechtigkeit aufsprosst. Selig ist sie!
- Liebeskirche, Kirche der Liebe, Gastmahl der Liebe, daraus Barmherzige austeilen. Selig ist sie!
- Herzliche Kirche, Kirche der Herzen, Mutter der Reinen, darin die reinen Herzens Platz haben. Selig ist sie!
- Friedenskirche, Kirche des Friedens, Arche des Friedens, daraus die Friedensstifter ihr Netz werfen. Selig ist sie!
- Leidenskirche, Kirche des Leidens, Kreuzbaum des Leidens, daran die Narren (Toren um Christi willen) zum Sieg reifen. Selig ist sie!
Aus: Das Testament des Franz von Assisi, 1983 Wofür ich um Vergebung bitte - Ich war – keine Angst: ich lege hier keine öffentliche Beichte ab – sicher manchmal schwierig und auch nicht immer freundlich. Ich konnte auch grob sein. Wenn mich etwas beschäftigte, konnte ich sehr abweisend nach außen erscheinen und durchaus auch jemanden übersehen.
- Es ist mir schwer gefallen, mit allzu viel Diplomatie an Dinge heranzugehen. Mein Gesicht ist wie ein Spiegel, dem man ansehen kann wie es innen aussieht.
- Ich war oft ein Träumer, das liegt an meiner alemannischen Herkunft. Ich nehme an, dass sich die Franken ab und zu dran gerieben haben. Ich musste öfter wieder auf den Boden der Realität zurückgeholt werden.
- Ich musste oft Entscheidungen treffen, mit denen ich Schmerzen und Wunden verursachte.
- Ich bitte alle, denen ich weh tat oder Weh tun musste um Vergebung.
- Ich bitte auch um Nachsicht, dass ich geschnupft habe und es weiter tun werde und es nicht verbergen kann. Ich hoffe, man konnte es ertragen.
Was ich mir wünsche für meinen Nachfolger als Generalvikar Lieber Georg, ich wünsche dir viel Kraft, viel Phantasie, viel Geduld, viel Teamgeist, eine gute Zusammenarbeit mit allen im Ordinariat und draußen in der Diözese, den Aufbau guter Verbindungen zu allen öffentlichen Verantwortlichen und Behörden, das Hineinwachsen in den heute notwendigen Dialog mit den Vertretern der anderen kirchlichen und religiösen Gemeinschaften, dahinter ein gutes Zusammenwirken mit unserem Herrn Erzbischof, und noch mal dahinter das Getragensein vom Herrn der Kirche, dem all unser Tun gelten muss. Gott segne dich. Zum Schluss: Noch einmal ein Dank! An meine Hausfrau Theresia Schmidt, die mir über all die Jahre ein Zuhause geschaffen hat, das es mir möglich machte, den doch nicht immer leichten und oft konfliktreichen Dienst eines Generalvikars zu leisten. An Gott: für die spürbare Begleitung durch ihn, den ich immer wieder in meinen Gebeten angerufen und gefunden habe; der mir in Jesus Christus, dem Herrn, nahe war und den ich geistesgegenwärtig geglaubt habe durch all die Jahre meines priesterlichen Dienstes. „Die Sache Jesu braucht Begeisterte“ habe ich einmal getextet. Ich bin nach wie vor vom Evangelium und vom Reich Gottes begeistert und werde dies hoffentlich bis zu meinem Lebensende bleiben dürfen. Und bitte, wir wollen nicht vergessen: Jeder Mensch hat ein Recht auf Himmel. Jeder Mensch hat ein Recht auf Gott. Er hat es in der Hölle seines täglichen Alltags. Er hat es in den zahlreichen Stunden seiner Gottverlassenheit. Die Kirche ist dazu da, dieses Recht anzusagen, und Himmel und Gott gegenwärtig zu setzen in Wort und in Feier und in Taten der Liebe, nachbildend das ewig-lebendige, himmlisch-göttliche Wir des Vaters und des Sohnes und des Geistes. Alois Albrecht
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