Johann und Kunigunda Weng - Das schwierige Leben in einer konfessionell gemischten EheJohann (geb. um 1540) und Kunigunda Weng stehen symbolisch für die vielen konfessionell gemischten Familien Ende des 16. und Anfang des 17. Jahrhunderts im Hochstift Bamberg. Das evangelische Ehepaar erlebte zu seiner Zeit also die Auswirkungen von Reformation und Gegenreformation. Zusammenleben von Katholiken und ProtestantenZunächst lebten Protestanten und Katholiken im Gebiet des Hochstifts Bamberg friedlich zusammen – so hatte Johann Weng zum Beispiel eine Verwaltungsaufgabe für das Kloster Michelsberg inne. Dass Protestanten wichtige Positionen in der öffentlichen Verwaltung besetzten, war im Bamberg des 16. Jahrhunderts üblich – als der päpstliche Nuntius Nikolaus Elgard 1575 Bamberg besuchte, stellte er fest, dass der Bischof kaum zwei katholische Räte hatte. Auch Klöster wie die Abtei Michelsberg und Langheim sowie Kloster Banz hatten evangelische Bedienstete. Anders war die Lage zwischen Katholiken und Protestanten beispielsweise im Bistum Würzburg, wo Julius Echter von Mespelbrunn von 1573 bis 1617 regierte und nicht vor Zwang und Gewalt zurückschreckte, um den katholischen Glauben zu verbreiten. Als es ihm lange nicht gelang, den protestantischen Pfarrer von Rattelsdorf durch einen katholischen Geistlichen zu ersetzen beschuldigte er Johann Weng. Weng arbeitete zu dieser Zeit als Kastner in Rattelsdorf und repräsentierte dort die Abtei Kloster Michelsberg von Bamberg. Er geriet in die Mühlen der Gegenreformation, als der evangelische Rattelsdorfer Pfarrer 1592 starb: Der neu gewählte Fürstbischof Neithard von Thüngen schloss sich nämlich der kirchenpolitischen Linie seines Würzburger Kollegen an und veranlasste die Installation eines katholischen Pfarrers in Rattelsdorf. Johann Weng verliert seine Anstellung bei der KircheIn dieser Zeit scheint Johann Weng sein Amt verloren zu haben. 24 Jahre lang hatte er im Dienst des Klosters Michelsberg gestanden – zuerst als Vogt in Gremsdorf und spätestens ab 1578 als Kastner in Rattelsdorf. Im Jahr seines Abschieds errichtete Johann Weng mit seiner Frau ein Testament. Das kinderlose Ehepaar vermachte sein Vermögen teilweise der Weismainer Gottehausstiftung und dem Spital. Außerdem richteten sie eine kleine Stiftung zu Gunsten des Weismainer Stadtrates ein, der ihr Vermögen verwalten sollte, und eine große Stiftung, die die höhere Ausbildung ihrer Familienangehörigen sichern sollte. Gab es gerade keinen Universitätsbesucher in der Familie, sollte die Zinsen des Stiftungskapitals den „Jungfrauen“ der Familie als Mitgift dienen. Der wohlhabende Weng – dem Vermögen nach stand er an zweiter Stelle der Stadt - zog sich nach seiner Entlassung zusammen mit seiner Frau Kunigunda in seine Geburtsstadt Weismain zurück. Hier hatte schon sein Vater Andreas Weng als Stadtschreiber gearbeitet. Dort starb er zwei Jahre nach seiner Entlassung am 13. September 1594 . Noch Mitte des 19. Jahrhunderts erinnerte ein hölzernes Epitaph in der katholischen Pfarrkirche St. Martin an Johann Weng, auf dem auch sein langjähriger Dienstort Rattelsdorf abgebildet war. Dass sich Weng als Protestant in einem katholischen Gotteshaus beisetzen ließ, war nicht ungewöhnlich – er sicherte sich dadurch das Andenken der Weismainer Bürger. Der Epitaph sollte allerdings beim Abbruch des Langhauses 1889 zerstört worden sein. Die Stiftung wurde 1961 aufgehoben. Kunigunda Weng, (geb. 1541) sollte ihren Mann um fast ein Vierteljahrhundert überleben. Sie konvertierte – wie viele andere Weismainer Protestantinnen und Protestanten – wohl 1596 zum katholischen Glauben. „Die alt Wengin“ arrangierte sich gut mit ihrem neuen Bekenntnis, denn sie stiftete in ihrem Testament Messen, die jeweils an ihrem Todestag gelesen wurden und vermachte der Kirchenstiftung 100 Gulden und dem Spital 50 Gulden.
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